Foto: Sandra Schäde

Foto: Sandra Schäde

„Bin froh, dabei gewesen zu sein“

  • Die Gesamtschule Barmen erprobt die kommmitmensch-Dialoge
  • Diskussion: Wie kann Kommunikation im Alltag verbessert werden?
  • Positives Feedback von Lehrkräften und schulischen Angestellten


Beim Blick aus dem Schulgebäude sieht man durch raumhohe Glasscheiben auf die Wupper und das Traggerüst der Schwebebahn. Fünf Lehrkräfte, die Schulleiterin, ein Hausmeister und die Bibliothekarin sitzen in der Schulbücherei. Aufgabe: Sie testen die neuen Arbeitsmaterialien der gesetzlichen Unfallversicherung. Diese sollen Schulkollegien anregen, mehr über Sicherheit und Gesundheit nachzudenken und zu sprechen.


„Welches Thema wollen wir bearbeiten?“, fragt Schulleiterin Bettina Kubanek-Meis in die Runde. Zur Auswahl stehen die fünf Handlungsfelder der Kampagne kommmitmensch: Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Soziales Klima sowie Sicherheit und Gesundheit. Die Gruppe entscheidet sich für das Thema Kommunikation.


Karten werden herumgereicht. Sie zeigen Cartoons zu verschiedenen Möglichkeiten der Kommunikation – von vorbildlich bis miserabel. Auf einer Karte ist beispielsweise eine genervte Schulleiterin zu sehen, die Eltern und Lehrkräften nur notgedrungen Gehör schenkt. Auf einer anderen Karte sind Lehrkräfte abgebildet, die sich frustriert den „Tagesbefehl“ im Sekretariat abholen.


Die Karten animieren dazu, den Kommunikationsfluss an der Schule zu reflektieren. Neben der reinen Vermittlung von Informationen geht es auch um den sozialen Umgang. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Frage, ob und wie Informationen vom Sender zum Empfänger gelangen. Und dazu sind in der Gesprächsrunde unterschiedliche Einschätzungen zu hören.


Jemand erklärt: „Die Kommunikation klappt hervorragend. Wir sind eine Insel der Glückseligen.“ Ein anderer sieht eher Kommunikationsdefizite: „Ab und zu war die Schulleitung nicht erreichbar, wenn es Probleme mit Schülerinnen oder Schülern gab. Das hat für Frust gesorgt.“ Weiterer heikler Punkt: „Wenn Mehrarbeit absehbar ist, halten sich einige im Kollegium ziemlich zurück.“

Beim Brainstorming fällt dann auch der Begriff „konfliktscheu“. Ein Thema, das auf große Resonanz stößt. „Vielleicht vermeidet man Auseinandersetzungen, um das gute Miteinander im Kollegium nicht zu gefährden“, lautet eine Vermutung. Gesprochen wird auch über Lehrkräfte, die weniger gut integriert sind, sich aus vielem heraushalten und Probleme nicht offensiv ansprechen.


„Das ist eine Fülle von Infos, die wir demnächst weiter bearbeiten werden. Auch beim Thema ‚Konflikte im Kollegium‘ werden wir gemeinsam genauer hinschauen“, sagt Schulleiterin Kubanek-Meis.


Und wie haben die anderen die Arbeit mit dem kommmitmensch-Dialog erlebt? „Hilfreich, anregend, gute Materialien“, lauten Rückmeldungen aus der Gruppe. Ein Lehrer sagt: „Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.“

Wie funktionieren die Dialoge?

  • Suchen Sie sich ein Thema aus, das Sie näher beleuchten möchten.
  • Für jedes Thema gibt es Dialogkarten, die die Diskussion anregen.
  • Auf dem Poster dokumentieren Sie Beispiele aus Ihrem Schulalltag.
  • Erarbeiten Sie Lösungsideen. Legen Sie fest, wer sich bis wann um die Umsetzung kümmert.
  • Dokumentieren Sie die Ergebnisse.
  • Später überprüfen Sie Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen.

Weitere Infos

  • kommmitmensch-Dialoge sind Arbeitsmaterialien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
  • Sie können beim zuständigen Unfallversicherungsträger angefordert werden. Mehr Infos unter www.kommmitmensch.de.
  • Die Dialogkarten beziehen sich auf die Themen Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Soziales Klima sowie Sicherheit und Gesundheit.
  • Die Gesamtschule Barmen ist Träger des Deutschen Schulpreises (2015) und des Schulentwicklungspreises der Unfallkasse NRW (2018).

 


René de Ridder, Redakteur (Universum Verlag)

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