Foto: Dominik Buschardt

Foto: Dominik Buschardt

Ohne Eltern geht es nicht

  • Elternbeirat einer Wiesbadener Schule unterstützt neue Eltern
  • Nicht-deutschsprachige Eltern nutzen Sprachenpool für soziale Kontakte
  • Für ein Umweltprojekt engagiert sich die ganze Schulgemeinde


Kommunikation und Informationen sind das A und O an einer Schule, vor allem bei der Einschulung. Damit der Übergang zwischen Kita und Schule gelingt, werden die Eltern durch Briefe und Elternabende über Formalitäten, Abläufe und Termine informiert. „Es passiert aber auch, dass zum Beispiel durch unvorhergesehene Umstände ein Kind an die Schule kommt, ohne dass die Eltern in das ausführliche Informationsprozedere im Vorfeld eingebunden gewesen sind“, erzählt die Elternbeirätin Alessandra Mast. „So kam ein kleiner Junge an die Schule, der noch am ersten Schultag angemeldet wurde.“ Vieles war den Eltern fremd. Sie hatten viele Fragen, die andere Eltern hätten schnell beantworten können. Und das war die Initialzündung für das Projekt „Eltern helfen Eltern“.

Elternbeirat verfasste einen eigenen Infobrief


„Der Anteil von Familien, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, liegt an dieser Schule bei 26 Prozent“, berichtet Schulleiterin Sonja Petermann. Das ist im Vergleich zu anderen Schulen nicht hoch. „Aber gerade deshalb sahen wir Handlungsbedarf, um niemanden auszuschließen“, betont Alessandra Mast. In Zusammenarbeit mit Eltern, die andere Sprachen sprechen, erarbeitete das Elternbeiratsteam zusammen mit dem Förderverein einen detaillierten Infobrief zum Projekt „Eltern helfen Eltern“.


„Dieser beugt Missverständnissen vor“, erklärt Alessandra Mast. „Und wir können die oft wiederkehrenden, ähnlichen Fragen der Eltern im Vorfeld abfangen und entlasten die Lehrkräfte und die Schulleitung.“ “


Das Besondere aber ist, dass dieser Infobrief einen Fragebogen zu Herkunft und Sprache der Familien enthält. Diese Informationen werden in einer Übersicht zusammengetragen und regelmäßig aktualisiert. „Dieser Sprachenpool gibt den Eltern die Möglichkeit, schnell und bedarfsgerecht in Kontakt mit anderen nicht-deutschsprachigen Eltern zu treten“, erklärt Alessandra Mast.


Aktuell sind 30 Kontakte in diesem Pool enthalten. „An unserer Schule sind zum Beispiel Kinder, die italienisch, rumänisch oder bulgarisch sprechen“, erzählt Schulleiterin Sonja Petermann. „Und sollte es nötig sein, organisieren wir auch Dolmetscher“, ergänzt Alessandra Mast. Für offizielle Gespräche an der Schule werden die Dolmetscher über die Plattform MigraMundi dazugeholt. MigraMundi ist ein Verein zur Förderung von Integrationsarbeit. Für kleinere, schnelle Absprachen hilft der Sprachenpool der Schule.


„Wir legen viel Wert darauf zu erklären, welche Aufgaben der Elternbeirat im Schulalltag hat“, sagt Alessandra Mast. Zum Beispiel die Schulbibliothek zu leiten, den Elternabend zu organisieren und zu begleiten oder Schulfeste zu organisieren, wie Weihnachtsfeiern, Sommerfeste und Basare. „Ohne Eltern wäre vieles nicht möglich“, betont Sonja Petermann.

Barfußpfad und Vogelhaus


Das verdeutlicht auch das Umweltprojekt. Es bestand aus drei Teilprojekten: der Gestaltung eines Barfußpfades, dem Bau von Vogelhäuschen und eines Insektenhotels. Annika Gerstung, Mutter und Mitglied im Vorstand des Fördervereins, hat das Konzept niedergeschrieben. Dabei hat sie die Vorstellungen und Wünsche der Schüler eingearbeitet. Mit der Unterstützung des Schlosses Freudenberg haben die Kinder einen Workshop zu den verschiedenen Materialien gemacht: Steine, Holz und Stroh gab es zum Fühlen und Austesten. Das Schloss Freudenberg ist eine Denkmalstiftung mit dem Ziel, auf einem Erfahrungsfeld die Sinne und das Denken der Besucher anzuregen.

Viele Eltern haben beim Bau des Barfußpfades geholfen.


Viele Eltern haben beim Bau des Barfußpfades geholfen. „Zum Beispiel kam ein Vater mit seinem Traktor und hat das Holz gebracht“, erzählt Annika Gerstung. Mitarbeiter des Naturschutzbundes (NaBu) haben den Kindern erklärt, welche Besonderheit die einheimischen Vögel haben und wie sie geschützt werden können. Auch hier haben die Kinder beim Bau der Holzhäuschen geholfen.


Alle Mühe hat sich gelohnt: Ein Großteil der Kosten des Umweltprojekts wird von einem Fond des Umweltamts der Stadt Wiesbaden übernommen / getragen. So können sämtliche Kosten für Materialien, aber auch für den NaBu und das Schloss Freudenberg abgedeckt werden.

Zur Schule


Infos zur Hafenschule Wiesbaden, Schulelternbeirat und Förderverein unter hafenschule.online

 

Diane Gerlach, Redakteurin (Universum Verlag), Wiesbaden

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